Tel Aviv, 19.8.

Am Dienstag fruehmorgens steigen wir in unsere Maschine von easyjet. Ich habe die Nachte vorher ohne schlafen gespielt und schlafe sogleich bis Tel Aviv durch. Die befuerchtete strenge Kontrolle Einreisender bleibt uns erspart (anscheinend vor allem auf Fluegen mit El Al oder anderen israelischen Airlines ueblich) und so wird es ein entspanntes Ankommen. Aus dem kuehlen Berlin in Israel landend erdrueckt uns erstmal die Hitze wie eine Wand. Also schnell hinter dem Gepaeckband versteckt und wieder in Sommerklamotten umgezogen, da taucht auch schon Mariella auf, die uns netterweise am Flughafen abholt. Mariella studierte mit uns an der Uni und hat macht gerade ein Praktikum in Tel Aviv. Sie kennt sich deshalb gut in der Stadt aus und fuehrt uns nacheinander zu ihr nach Hause, wo wir ein paar Naechte wohnen werden, zum Handyshop wo wir uns mit einer israelischen SIM-Karte viele praktische Freiheiten kaufen und zu ihrem Stamm-Falafelladen – lecker!

In den Strassen ist der aktuelle Gazakrieg insofern angekommen, als dass wir sehr vielen Uniformen begegnen, in denen Maenner und Frauen (die hier 3 bzw. 2 Jahre Wehrdienst leisten muessen), teilweise schwer bewaffnet, stecken und entweder Ein- und Ausgaenge verschiedener Gebaeude kontrollieren oder selbst auf dem Weg Richtung Sueden und der Grenze zu Gaza sind.

Am Abend unseres ersten Tages spazieren wir zum naechsten Strand, wo sich das Mittelmeer heute rau und wellig zeigt. Das Badeverbot schockt hier niemanden so richtig und so tun wir es den Einheimischen gleich und stuerzen uns in die Fluten.

Zurueck in der WG sind wir schnell zurueck auf dem Boden der Tatsachen. Erst erzaehlt uns ein Kumpel, der zu Besuch kommt, dass er letzte Woche einen guten Freund verloren hat, der im Krieg gestorben ist. Dann macht er mit Mariellas Mitbewohner eine Weile lang Musik, bis dieser einen Anruf erhaelt. Das Hauskonzert bricht abrupt ab und als er auflegt, wirkt er erst veraergert, dann richtig wuetend, schlaegt gegen die Wand und boxt in ein Kissen. Wir verstehen, als uns erklaert wird, dass der Anruf von der IDF, also der israelischen Armee, kommt. Mariellas Mitbewohner hat jetzt eine Stunde Zeit, um vom Musiker zum Offizier zu werden, als der er 3 Jahre lang ausgebildet wurde. Dann wird er von der Armee abgeholt und eingezogen. Er wird die naechsten Tage 200 Soldaten in der Naehe von Gaza befehligen. Das ist schon schlimm mitanzusehen, zumal er uns erzaehlt, dass er gerade erst seit 5 Tagen von seinem letzten, 36 Tage dauernden Einsatz zurueck ist. Bis zum Alter von 46 Jahren kann es hier jeden treffen, immer. Ich weiss nicht, wie ich es aushalten koennte, jahrelang in solcher Unsicherheit zu leben und ich frage mich vor allem, was eine solche Militarisierung mit einer Gesellschaft anstellt. Waehrend ich darueber nachdenke, sind draussen nacheinander 3 dumpfe Explosionen zu hoeren. Eilig checken wir den Nachrichtenticker, hier das uebliche Medium, um sich schnell zu informieren, was los ist und wo es gerade gefaehrlich wird. Es ist die Rede von einer abgefagenen Rakete im „Raum Tel Aviv“, insgesamt hat die Hamas gerade 50 Raketen abgeschossen und Israel antwortet direkt mit Bombardements im Gazastreifen. Damit ist die vielversprechende Waffenruhe dahin und der Krieg kommt uns ganz schnell viel naeher, als uns lieb ist.

Wir versuchen, uns nicht die Laune verderben zu lassen.

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