Samaipata

Wir fahren tags in Sucre los und werden mitten in der Nacht im Hippie-Dorf Samaipata rausgeworfen. Wir finden mit dem richtigen Riecher und einer knappen Wegbeschreibung das Hostal El Jardin, wo eine verschlafene Voluntärin uns in das für uns reservierte Zimmer bringt.

Dann ein paar Tage richtig gemütlich machen, Urlaub mit Susi und Matze und 30 Grad. Samaipata ist nicht umsonst Aussteigerort: Schön, ruhig, sonnig. Das Hostal El Jardin das i-Tüpfelchen, der Garten Eden im Paradies eben. Es passiert nicht viel, wir verbringen eine ereignisarme, dadurch aber nicht weniger schöne Zeit. Ein Ausflug, der laut Karte an einem buddhistischen Kloster enden soll, führt Julias Eltern und mich zu einem Heilzentrum, wo wir zufällig am grossen gentechnikfreien-Samentauschtag ankommen. Alle alternativen Bauern der Gegend kommen, um Samen von anderen Gemüsesorten zu ertauschen. Zum grossen Mittagessen mit allen werden wir prompt eingeladen.

Für Aufruhr sorgt dann nur noch die Steuerfahndung: Volkssport Nummer eins sei hier die Steuerhinterziehung erklärt mir Carlos, der Tourguide vor Ort. Im Hippiedorf kumuliere das Ganze darin, dass der Fiskus hier regelmässig rote Zahlen schreibe. Wenn dann mal jemand vorbeikommt, um nach dem Rechten zu sehen, verschwinden plötzlich die Obst- und Gemüsestände an der Strasse und an fast allen Hostels und auch am Lieblingsschmuckgeschäft hängen grosse Plakate, die grossspurig die vorübergehende Zwangs-Schliessung des Etablissements verkünden.

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Doch sie wären keine Bolivianer, wenn sie die Stände, sobald die Luft rein ist, nicht sofort wieder aufbauen würden und ausserdem die Tomaten an die Touristen so lange zum doppelten Preis verkaufen würden, bis das aus einem halben Tag Schliesszeit resultierende Minus wieder reingewirtschaftet wäre.

An unserem letzten Tag unternehmen wir einen Ausflug zu einem Park namens „Las Cuevas“, wo es eine dolle Wasserfall-Berglandschaft-Kulisse zu bestaunen gibt und davor nicht minder dolle Möchtegern-Modells und (Fake?-)Hochzeitspaare, die sich shooten lassen. Wir verbringen einen Strandtag auf bolivianisch, weil man hier kein Meer kennt, ist der Familienausflug zum Sand neben dem Wasserfall das Highlight der Badewoche inkl. Beachfussballspiel, in das von der kleinsten Schwester bis zum Grossvater alle einbezogen werden.

Auf dem Hinweg hatten wir uns noch ein Taxi geteilt, zurück fahren wir für den halben Preis mit dem Mittelstreckenbus, den wir mitten auf der Strase anhalten. Wir sitzen vorne auf irgendwelchem Gepäck, da natürlich sowohl alle regulären Sitzplätze besetzt sind, als auch die mit Plastikstühlen im Mittelgang installierte fünfte Sitzreihe keinen Platz mehr bietet. Wann immer jemand von hinten raus muss, geht das Geschiebe los, Männer halten Plastikstühle über dem Kopf und Frauen heben ihre Rockzipfel, um nach vorne durchzuklettern. Just to give you an impression.

Samaipata war ein Urlaub im Urlaub. Eine Woche Gartenidylle lassen wir bei Abfahrt genauso hinter uns, wie unser brandneu im BookExchange erworbenes Buch. Ein Grund mehr, hierher noch einmal zurückzukehren…

2 Gedanken zu „Samaipata

  1. NA, ENDLICH GEHT’S WEITER MIT DER REISEBERICHTERSTATTUNG! UND DAZU WIEDER TOLLE FOTOS!! TIPPTEN UNS SCHON LANGSAM VERGEBLICH
    DIE FINGER WUND… HERZLICHEN GRUSS AUS BERLIN! JU & WI

  2. Pingback: Huanchaco | loboschunterwegs

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