Rurrenabaque

Die Busfahrt nach „Rurre“ buchen wir trotz des geringen Aufpreises im Reisebüro in Coroico, um ganz sicher zu sein anzukommen und auch ja keine Zeit zu vertrödeln. In der Servicewüste Bolivien bedeutet das, dass wir uns selbst ein Taxi suchen müssen, das uns in den nächsten Ort fährt, um da unseren Bus „zwischen 1 und 3“ zu erwischen. Kurz nach 1 unten haben wir Angst ihn schon verpasst zu haben, kriegen aber vom freundlichen Schrankenwärter gesagt, dass der Bus gegen 5 hier vorbeikommen müsste. Gleich darauf gesellen sich 2 Österreicherinnen zu uns Wartenden und erklären uns warum: Heute war Erdrutsch und die Strasse muss freigeräumt werden. Diese Fahrt wird uns noch eine Weile in den Knochen stecken, in nächster Nähe zum Abgrund mit überhöhter Geschwindigkeit und das im Dunkeln, ist sie teilweise ganz schön anstrengend auszuhalten.

Der erste Tag vor Ort wird gleich ziemlich kurzweilig. Wir suchen uns fix Hostel und Essen. Dann wagen wir uns ins nächste Fahrt-Abenteuer, als wir uns ein Motorrad mieten (eigentlich mehr Motorroller, Schwalbe-Style) und damit die Strassen (es gibt eigentlich nur 3) auf und ab cruisen.

Hier fällt auf, wie oft man als Reisender Leute wiedertrifft, und das doch eingentlich alle Touris ein ähnliches Programm haben. Zum x-ten Mal begegnen wir den arroganten Französinnen, mit denen sich ein gegenseitiger kleiner Hass aufgebaut hat, und auch die Ösi-Mädels sieht man immer wieder. Wir vergleichen mal wieder Preise für Touren und buchen einen 3TagesTrip in die Pampas, wo es viele Tiere zu sehen geben soll. Der beginnt mit einem Motorradfahrer, den unser Fahrer zu spät sieht und mit dem Jeep über den Haufen fährt. Zum Glück reagiert der unangenehm Berührte direkt richtig und fährt mit heulendem Motor an, so dass ausser einem bisschen Plastik nichts zu Schaden kommt. Dafür gibt’s für den wütenden Biker 50 Bs auf die Kralle und weiter geht’s. Gestern hatten wir gemeinsam mit 3 Deutschen die Tour gebucht, die gemeinsame Gruppe, die uns von Luftikus-Luis, dem Seller in der Agency versprochen wurde, kommt jedoch nicht zu stande. Egal, unsere Gruppe ist auch cool, besehend aus inklusive uns 3 Pärchen und zwei Schäkernden. Ausserdem gibt es aus dem Boot unterwegs zur Ecolodge einiges zu sehen: Krokodile, Alligatoren, Kaimane („Wo ist denn da der Unterschied?“ würde Icke jetzt fragen), Flussdelfine, Totenkopfäffchen und viele verschiedene Vögel.

Nachts brechen wir nochmal im Boot auf und leuchten Krokodilen in die Augen, die dann cool rot und blau reflektieren. Unter anderem sehen wir eine kleine Familie mit 40 Babies. Unser Guide Ronaldo ist leider recht schweigsam und erzählt von sich aus nicht viel. Am nächsten Morgen auf Anaconda-Suche stapft er schweigend voran und wir 2 Stunden hinterher, ohne genau zu wissen, weswegen wir eigentlich hier sind. Die Anaconda hat bei dem schlechten Wetter keinen Bock und lässt sich nicht blicken. Der Regen hört nicht wirklich auf, trotzdem ziehen wir am Nachmittag den Programmpunkt „Schwimmen mit Delfinen“ durch. Die rosaroten Flussdelfine schwimmen jetzt im Winter noch an den wenigen einigermassen tiefen Stellen im Yacuma-Fluss. Wo sie unterwegs sind kann gefahrlos geschwommen werden, sie vertreiben Piranhas und Krokodile. Ein paar Wagemutige springen ins Wasser und sind den Tieren ganz nah. Ein bisschen Vorsicht ist geboten, da die Viecher auch beissen und einen unter Wasser ziehen können.

Nach dem Abendessen taut Ronaldo endlich auf und gibt eine Geschichtenstunde. Er plaudert über die Natur, seinen Job als guía hier und vorher in Brasilien und über lästige Touristen, die nicht auf ihn gehört haben und von Piranhas angeknabbert wurden. Am späten Abend gibt es Lagerfeuer mit Sitzen und Schnitzen und Quatschen.

Der dritte Tag beginnt mit Gewissensbissen. Wir fischen Piranhas fürs Mittagessen. Julia steigt bald aus, weil sie es nicht gutheissen kann, dass die kleinen Fische zurückgeworfen werden. Ich ziehe einen kleinen Piranha an Land, ärgere mich aber die meiste Zeit über die blöden Fische, die es immer wieder schaffen, meinen gesamten Köder zu vertilgen, ohne wirklich anzubeissen. Ich stelle mir vor, wie sie sich einen feixen und die blöden Touris, die sie jeden Tag gratis füttern, hart auslachen.

Dann geht es mit Boot und Jeep zurück nach Rurre, elendig lange Fahrten, die aber dank der netten Menschen aus unserer Gruppe einigermassen erträglich bleiben. Abends gehen wir mit der ganzen Gruppe lecker Pizza essen, einige der Menschen hier treffen wir bestimmt wieder, in Belgien oder England oder Israel oder bei uns.

5 Gedanken zu „Rurrenabaque

  1. Das Warten auf den nächtlichen Bus braucht ja wirklich Geduld und vergleiche ich das mit dem Berliner Unmut, wenn mal n Bus oder ne Bahn ausfällt, denke ich, Ha, wie kleinlich wir doch sind!
    Schön, wie ihr versucht der Wildnis im Europäerstyle zu begegnen. Wahrscheinlich hätten wir uns alle nicht schlauer angestellt ;)! Weiter so, ihr werdet noch richtige Naturfreaks, oder?

  2. Danke für die Life Berichte! Ich bin in Gedanken dabei! Welche Sprachen braucht man in Bolivien um mit den Einheimischen sprechen zu können? Laß dich nicht auffressen!

  3. SPANNEND!! LOBOSCH, DU BEGNADETER ERZÄHLER, WENN DU DIESES ‚GIFT‘ IN ZUKUNFT NICHT IRGENDWIE PROFESSIONELL EINSETZT, DANN, MEIN LIEBER,, WÄRE DIR EINFACH NICHT ZU HELFEN! LANGSAM WERDEN WIR JA GERADEZU SÜCHTIG NACH DEINEN ABENTEUERLICHEN BERICHTEN…

  4. Geiles Programm! Habt ihr wenigstens die dämlicheren unter den Piranhas konsequenterweise vertilgt? Und welches Getier bescherte dir eigentlich die famose Spiderman-App?
    Bis ziemlich bald!

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