Die Räder vom Bus rollen dahin, rollen dahin, rollen dahin…

Ich verabschiede mich von Dean und Hare Krsna, nachdem ich ausgeschlafen habe. Wir beide bedauern, dass wir nicht mehr miteinander quatschen konnten. Ein Grund mehr, nach Istanbul zurückzukommen.

Bye Istanbul

Bye Istanbul

Ich fahre zum großen Busbahnhof und versuche mich zwischen über 100 Ticketbüros von jeweils verschiedenen Reiseveranstaltern zurechtzufinden. Alle haben hier tolle Angebote für mich! Kaum zu glauben, dass ich nirgendwo zuschlage, so wie die das hier anpreisen.
Ich finde tatsächlich ein Unternehmen, das auch in meine Richtung fährt. Als ich weiterlaufe, weil ich erstmal Preise vergleichen will, zerrt mich der Nächste in sein Büro und behauptet, der einzige Bus nach Bukarest würde mit seinem Unternehmen fahren. Ich zeige ihm die Karte von dem Menschen, der mir vor 2 Minuten das Gleiche erzählt hat. Er schimpft einen türkischen Wortschwall, der ungefähr „Wenn hier jemand nach Bukarest fährt, dann ja wohl mit meinem Bus!“ heißen muss und zerreißt das Kärtchen. Von so viel Aktionismus beeindruckt, buche ich bei ihm.
Zum Bezahlen muss ich an den Geldautomaten, der Mitarbeiter treibt mich zur Eile. Aber der Bus fährt doch erst in 20 Minuten? Ja stimmt, aber leider nicht hier, sondern woanders in der Stadt. Oh, na dann Beeilung! Der Typ bringt mich zur Metro, wir hetzen durch die Stadt und an irgendeiner Metrohaltestelle sammelt mich tatsächlich der Fernreisebus ein. Alle anderen Menschen sitzen schon drin, ich bin quasi VIP. Was fürn Service, komische Nummer.

Ich bin VIP

An der geliebten türkisch-bulgarischen Grenze brauchen wir wieder geschlagene 4 Stunden. 1 Stunde lang behaupten meine Mitfahrer noch, dass alles wie immer sei, aber dann wird’s auch denen anstrengend. ööööde. Ein bisschen Spannung kommt wenigstens auf, weil ich für ein paar Rumänen 2 Schachteln Kippen und einen Sack voll Parfum-Flacons, den mir der zweite Busfahrer lächelnd in den Rucksack stopft, über die Grenze schmuggel.

Als wir über die Grenze sind freuen sich alle, dass nur 3, 4 T-Shirts vom Zoll einkassiert wurden. Das ist unglücklicherweise aber nicht das Ende vom Lied: Die Grenzer an der Grenze Bulgarien-Rumänien haben anscheinend Lagenweile – Pech gehabt. Sie lassen den Bus nach kurzer (und bestimmt positiver) Gepäck-Stichprobenkontrolle in ein Spezialgebäude vom Zoll fahren und nehmen ihn dort im wahrsten Sinne des Wortes komplett auseinander. Huch, da sind ja 200kg adidas-Jacken „originalverpackt“ drin. Ein Paket nach dem andern wird aus dem Bus geholt, aufgeschnitten und zur Seite gepackt. Ich versuche genau aufzupassen, was passiert, es wird aber sehr strange, so dass ich hier nur Bruchstücke wiedergeben kann.

Anscheinend ist es die Buscrew selbst, die sich mit Schmuggel von Markenklamotten nach Europa ein Taschengeld dazuverdienen will. Die „normalen“ Passagiere werden in den Bus zurückgebeten. Der Bus fährt raus, die großen Schiebetüren gehen zu. Da drin läuft der Deal jetzt ab. Mein Sitznachbar Nico hat da anscheinend auch Eisen im Feür, er wird rausgerufen und zählt noch am Platz 5000€ in 500€-Scheinen in die Hand und gesellt sich zu den Verhandelnden. Mehrere Getränke und Stangen Zigaretten wandern nach draußen. Aus dem Fenster beobachte ich, wie 3 Pakete Shirts (Urspünglich waren das so 15) in’s Polizeiauto geladen werden, die 2 Wortführer der Crew müssen auch mit. Die Gepäcktür geht auf und es werden Dinge in den Bus zurückgeladen. Ich zähle 1 und 1 zusammen. Ist der Grenzpolizei doch irgendwie auch egal, ob sich europäische Kiddies mit echten oder falschen Markenshirts krass fühlen. Einzeln verpackte Klamotten und Paar Schuhe werden an bestimmte Personen im Bus durchgereicht. Dann warten wir noch 2 Stunden, bis alle Geiseln freigelassen werden und es weitergehen kann. Leider verstehe ich kein Wort von dem, was gesprochen wurde und durch den Bus gemurmelt wird, aber die Gestik von Nico sagt alles: „Diesmal wurden wir richtig gefickt!“

Ok, schlimmste Busfahrt meines Lebens. Aaaaber das ist noch nicht alles: Da wäre noch das Handy vom Polizeibeamten, das bei der Kontrolle irgendeiner von den Bekloppten um mich herum geklaut hat. Wir kommen 50km weiter, bis der das merkt und uns über Funk anhalten lässt. Halbe Stunde auf die warten, halbe Stunde diskutieren, Bakshish. Wieder ’ne Stunde rum. Da wir zwischendurch immer gut aufgeholt haben, liegt die aktülle Verspätung bei schlappen 4 Stunden.

Jetzt aber auf nach Bukarest. Ich zähle die Meilensteine. 30, 29, 28km. Wir halten an. Ich vermute das Schlimmste. Nur Klopause. 23, 22, 21km. Wir werden von der Verkehrspolizei angehalten. Routinekontrolle. Halbe Stunde und Bakshish weg. „Rumänische Verkehrskontrolle“ lacht Nico neben mir. Immerhin kann er noch lachen.

Um 9:30 Uhr rollen wir tatsächlich im Bukarester Busbahnhof ein. Ich hätte es bald nicht mehr für möglich gehalten. 5 Stunden Verspätung und Horrortrip erfolgreich hinter mich gebracht.

Hallo Bukarest

Hallo Bukarest

 

3 Gedanken zu „Die Räder vom Bus rollen dahin, rollen dahin, rollen dahin…

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